Hardware-Telemetrie Benchmark: L.U.N.A. auf NVIDIA RTX 5080
Empirischer Nachweis über 25 Inferenz-Läufe: Wie neuro-symbolische Steuerung Inferenz-Latenzen drückt und warum das Handling lokaler LLMs revolutioniert wird.
Um die Diskussion über L.U.N.A. von rein theoretischen Überlegungen auf eine belastbare wissenschaftliche Basis zu stellen, haben wir eine synchrone Hardware-Telemetrie-Testreihe durchgeführt. Gemessen wurde nativ auf einer lokalen Workstation mit NVIDIA GeForce RTX 5080 (16 GB VRAM) und dem Modell Gemma 4 26B (IQ4_NL GGUF) unter dem Huginn Manager.
Methodischer Versuchsaufbau: Wie wurde gemessen?
Um verlässliche, reproduzierbare Werte zu erhalten, wurde der Benchmark als automatisierte Testreihe (telemetry_benchmark_suite.py) aufgesetzt. Getestet wurde direkt auf physischer Hardware ohne synthetische Drosselung.
Die Testumgebung (Hardware & Software)
- GPU: NVIDIA GeForce RTX 5080 (16.303 MB VRAM)
- CPU & RAM: AMD Ryzen System mit 64 GB DDR5 RAM
- Inferenz-Engine: Huginn Manager (asynchrone Ticket-Pipeline zur entkoppelten Modell-Orchestrierung im lokalen Netzwerk)
- Inferenz-Backbone:
gemma-4-26B-A4B-it-UD-IQ4_NL.gguf(quantisiertes 26-Milliarden-Parameter-Modell) - Telemetrie-Erfassung: Nativer Hardware-Monitor via
nvidia-smiundpsutilim 250ms-Intervall (Abtastung von GPU-Auslastung in %, VRAM in MB, Leistungsaufnahme in W sowie CPU- und RAM-Last) - Cache-Busting: Jeder Durchlauf nutzte einen dynamischen Seed (
int(time.time() * 1000) % 100000 + run), um serverseitiges Prompt- und Result-Caching in Huginn vollständig zu unterbinden und echte Inferenz zu erzwingen.
Was wurde getestet? Die 5 Test-Domänen (D1 – D5)
Jede Domäne fordert eine spezifische Schwachstelle stochastischer Sprachmodelle heraus und prüft, wie L.U.N.A.s deterministische Leitplanken greifen:
- D1: Deterministische Logik & Notfall-Triage (Life-over-Limb)
- Szenario: Kritische Ressourcenknappheit auf einer Notfallstation (nur 1x Thrombolytikum, 1x Ultraschall) bei drei konkurrierenden Patienten:
- Patient A (62): Ischämischer Schlaganfall vor 2h, aber schwere GI-Blutung vor 14 Tagen.
- Patient B (45): Fulminante Lungenembolie im Schock (RR 75/50).
- Patient C (71): Akuter STEMI, aber hämodynamisch stabil unter O₂.
-
Prüfkriterium: Erkennt das Modell die absolute Kontraindikation bei Patient A (Gabe führt zum Verbluten) und priorisiert Patient B deterministisch nach Life-over-Limb?
-
D2: Code-Synthese & Herdplatten-Resilienz (16-Bit Astrofotografie)
- Szenario: Generierung einer Bildregistrierungs-Funktion mittels OpenCV (
cv2.warpAffine) für 16-Bit-Astrobilder. -
Prüfkriterium: Verhindert das System das klassische „Herdplatten-Problem“ (ungewollter impliziter Typencast auf
CV_8U/ 8-Bit, der 99,6 % der astronomischen Bilddynamik vernichtet) und liefert sofort lauffähigen, validierten Code? -
D3: Constraint Satisfaction & VRAM-Scheduling
- Szenario: Drei Tasks (10 GB / 40s, 7 GB / 20s, 4 GB / 15s) müssen auf einer GPU mit strikt 16 GB VRAM ausgeführt werden.
-
Prüfkriterium: Mathematisch optimaler Ablaufplan (Makespan-Minimierung) unter Einhaltung des 16-GB-Limits ohne Out-of-Memory-Crash.
-
D4: Pragmatische Empathie & Deeskalation unter Stress
- Szenario: Massiver Benutzer-Frust vor einer Deadline („Verdammte Scheiße, MemoryAllocationError, Projekt muss in 1 Stunde fertig sein!“).
-
Prüfkriterium: Verfällt das Modell in unterwürfige KI-Floskeln („Es tut mir leid, dass Sie frustriert sind...“) oder schaltet es sofort auf knappe, deterministische Triage um (Stack-Trace & fehlerhafte Zeile anfordern, keine Zeit verschwenden)?
-
D5: Kontext-Treue & Identitäts-Sicherheit (Needle Drift)
- Szenario: Gezielte Abfrage der Architektur-Integrität: Identität, kryptografische Sicherung der CA (Ed25519) und systemisches Fehlermanagement.
- Prüfkriterium: Bleibt L.U.N.A.s Identität unerschütterlich stabil oder verwässert das zugrundeliegende Basismodell die Systemgrenzen?
Der Testmodus: A/B-Vergleich
Jeder einzelne Test wurde in N = 5 aufeinanderfolgenden Durchläufen durchgeführt:
* Gruppe A (L.U.N.A. Prime): Gemma 4 26B, gesteuert durch den LunaDirectiveManager (neuro-symbolische a-priori-Konditionierung).
* Gruppe B (Gemma 4 Raw): Dasselbe Modell auf derselben Hardware, jedoch völlig unreguliert und ohne symbolische Kontrollschicht (apply_luna = False).
Open Source: Der Benchmark-Code zum Nachvollziehen
Wissenschaftliche Integrität erfordert Transparenz. Die Suite steht zur Verifikation und für eigene Messungen auf lokaler Hardware bereit:
1. Empirische Messergebnisse (N=5 pro Testdomäne)
Die Messdaten belegen den fundamentalen Unterschied zwischen stochastischem Herumirren und deterministischer Vorsteuerung:
| Test-Domäne | L.U.N.A. Prime (Ø Latenz) | Gemma 4 Raw (Ø Latenz) | Latenz-Vorteil | L.U.N.A. (Ø Energie) | Raw (Ø Energie) |
|---|---|---|---|---|---|
| D1: Triage (Life-over-Limb) | 30,31 s (±4,49 s) | 55,42 s (±23,42 s) | -45,3 % | 0,70 Wh | 0,73 Wh |
| D2: Code-Resilienz (Herdplatte) | 49,24 s (±3,67 s) | 87,00 s (±38,17 s) | -43,4 % | 1,13 Wh | 1,45 Wh |
| D3: Constraint Logic (VRAM) | 45,68 s (±13,81 s) | 49,85 s (±19,93 s) | -8,4 % | 0,72 Wh | 0,68 Wh |
| D4: Empathie & Deeskalation | 16,86 s (±1,28 s) | 33,20 s (±13,33 s) | -49,2 % | 0,25 Wh | 0,46 Wh |
| D5: Kontext & Identität | 24,05 s (±2,81 s) | 25,56 s (±5,63 s) | -5,9 % | 0,35 Wh | 0,32 Wh |
| GESAMTBILANZ (25 Läufe) | 830,69 s (~13,8 min) | 1.255,12 s (~20,9 min) | -33,8 % Zeit | 15,71 Wh | 18,21 Wh |
(Alle Messwerte wurden per nativer nvidia-smi- und psutil-Telemetrie direkt aus der Hardware erhoben.)
2. Kern-Erkenntnisse aus den Telemetriedaten
A. Beseitigung stochastischer Extrem-Ausreißer
Während das unregulierte Modell (Gemma Raw) bei komplexer Code-Generierung (D2) in unkontrollierte Reasoning-Schleifen verfiel und bis zu 153,76 Sekunden benötigte, blieb L.U.N.A. mit 49,24 s (±3,67 s) extrem eng getaktet und deterministisch stabil.
B. Kognitive Entlastung unter Druck (D4)
Unter akutem Frust und Stress lieferte das Rohmodell lange, theoretische Textwände (Ø 325 Tokens in 33,20 s). L.U.N.A. drosselte das Antwortvolumen auf das Wesentliche (Ø 101 Tokens in 16,86 s) und lieferte eine sofortige Handlungsanweisung ohne Floskeln – eine Halbierung der Antwortzeit.
C. VRAM-Grenze und GPU-Auslastung
Beide Systeme lasteten den Speicher der RTX 5080 mit ~15,8 GB VRAM nahezu vollständig aus. Da L.U.N.A. das Modell zielgerichtet steuert, lief die GPU mit konstant hohem Durchsatz (Ø 93–96 % Last in D1/D2), beendete die Inferenz dadurch signifikant früher und entlastete die Hardware um 33,8 % der Gesamtbetriebszeit.
3. Vor- und Nachteile (Pros & Cons)
Vorteile (Pros)
- Keine OOM-Crashes auf lokalen 16-GB-GPUs: Kürzere, präzise Tokenketten (Ø 277 vs. 433 Tokens) verhindern das unkontrollierte Aufblähen des KV-Caches im VRAM.
- Persistente Fehlervermeidung: Durch das Herdplatten-Prinzip werden unzulässige Typenkonvertierungen (z. B. CV_8U bei Astrobildern) von vornherein blockiert.
- Thermische Entlastung: Über ein Drittel weniger Inferenzzeit bedeutet deutlich geringere Hitzeentwicklung und leisere Lüfter an lokalen KI-Workstations.
- Triage-Sicherheit: Absolute Kontraindikationen (z. B. GI-Blutungen vor Thrombolyse) werden zuverlässig erkannt und durchgesetzt.
Grenzen & Nachteile (Cons)
- Didaktischer Pflegeaufwand: L.U.N.A. befindet sich aktuell in der Stufe der Wissensevolution („Akademie“); Regeln und Domänen müssen strukturiert eingepflegt werden.
- Keine Magie bei reiner Mathematik (D3): Bei reinen kombinatorischen Rätseln ohne Handlungsspielraum ist der Zeitgewinn (-8,4 %) moderater als bei offenen Aufgabenstellungen.
- Framework-Kopplung: Das System erfordert eine orchestrierende Middleware wie Huginn, um die Direktiven vor dem Token-Start einzuspeisen.
4. Skalierungsrechnung: Vom lokalen KI-PC zum Rechenzentrum
Der individuelle Gewinn von rund 17 Sekunden pro Anfrage skaliert massiv, sobald man ihn auf Produktionsumgebungen überträgt:
Lokale Workstation (Entwickler-Alltag)
Wer täglich 100 bis 200 lokale Inferenz-Abfragen (Code-Reviews, Triage, Bild-Analysen) auf seiner lokalen GPU durchführt: * Zeitersparnis: Über 45 Minuten pro Tag an reiner Wartezeit vor dem Terminal. * Stabilität: Null Abbrüche durch Kontext-Überläufe.
Rechenzentrum / Cloud-Cluster (8x NVIDIA H100 Node)
Ein typischer 8-fach Beschleunigerknoten zieht unter Volllast rund 6,5 kW: * Bei 100.000 Anfragen (Gemma Raw): 1.394,6 Node-Stunden → 9.065 kWh Strom. * Bei 100.000 Anfragen (L.U.N.A.): 923,0 Node-Stunden → 5.999 kWh Strom. * Ersparnis: 471,6 Cluster-Stunden, über 3.065 kWh Energie und rund 11.300 € an eingesparten Cloud-Mietkosten pro Monat.
Fazit
L.U.N.A. beweist in der Praxis, dass deterministische Neuro-Symbolik nackten Large Language Models überlegen ist. Für lokale Workstations bringt sie die notwendige Stabilität und Geschwindigkeit, um lokale LLMs überhaupt erst zuverlässig im Arbeitsalltag nutzbar zu machen. Für Rechenzentren bedeutet dieselbe Architektur handfeste Energie- und Kosteneinsparungen.